Blogparade: Und was machst du so?

Gepostet am 31.03.2013 in Transmedia Storytelling | 1 Kommentar

Blogparade: Und was machst du so?

Immer wieder kommt es zu dieser einen Situation, in der man ins Stocken gerät. Man hat sie gefühlt schon tausend und eins Mal erlebt, aber sobald diese eine Frage ins Spiel oder vielmehr ins Gespräch kommt, ist sie automatisch wieder da: diese eine Situation. Dabei kann sie überall und jederzeit auftreten. Beim kennen lernen neuer Menschen oder in Gesprächen mit zufälligen Reisebegleitern etwa genauso wie auch in geschäftlichen Meetings. Gemeint ist die Situation, in der man die Frage gestellt bekommt, was man eigentlich beruflich macht.

Dabei ist die Frage selbst alles andere als schwierig. Und dennoch treten wir heutzutage auf der Stelle und lassen uns eine Vielzahl toller neuer Begriffe einfallen, deren Übersetzung nicht jedem immer sofort klar ist, die uns selbst aber ein positives Gefühl geben – ein Gefühl, das unsere Arbeit etwas Besonderes ist. Und dennoch machen wir es uns mit der Beantwortung häufig extrem schwer, wenn wir uns auf die Lippen beißend überlegen, ob wir nach unserer bestmöglichen Einschätzung der fragenden Person lieber die eine oder die andere Begrifflichkeit nennen.

Mit dieser Situation ist in der heutigen Zeit niemand wirklich allein. Deswegen hat Wibke Ladwig in ihrem Kommunikationswerkstatts-Blog „Sinn und Verstand“ eine Blogparade gestartet, um jedem die Möglichkeit zu geben, diese neuen Berufsbilder jeweils im eigenen Blog mal genauer zu beschreiben.

Aller Anfang ist schwer

2006 bewarb ich mich auf eine etwas schräge Art und Weise bei der Berliner Agentur für Virales Marketing, der vm-people GmbH. Diese hatte aufgerufen, sich mit maximal 160 Zeichen zu bewerben – per SMS nämlich. Schon damals beschäftigte ich mich mit der Thematik des Geschichtenerzählens und sendete in meiner Bewerbungs-SMS eine kurze Szene aus einem Alternate Reality Game, das ich gerade mit einem Freund aus Amsterdam austüftelte.

„Dr. Braungold, wir konnten das virifizierende Gen aus dem Testobjekt extrahieren und reproduzieren. Es kam zu einem Zwischenfall.“

–  Bewerbungs-SMS

Kurz darauf wurde ich nach Berlin eingeladen und ein paar Monate später als „Mitarbeiter Marketing“ eingestellt.

Da ich unter anderem für die Entwicklung von Marketing-Alternate-Reality-Games zuständig war, und wir über die Jahre auch an dem einen oder anderen Barcamp teilnahmen, entwickelte sich für diese Unkonferenzen und anderen Konferenzen schnell die Begrifflichkeit des „ARG-Designers“ als Berufsbezeichnung. In den USA wurden zwar gerade in den Anfängen der Alternate Reality Games die Organisatoren jener ARGs als Puppetmaster bezeichnet, aber der eingedeutschte Puppenspieler klingt ebenso spannend wie der Mitarbeiter Marketing. Und die Entwicklung, Konzeption und Ausführung von ARGs ist nunmal eindeutig spannender als die bisherigen Begrifflichkeiten zu verstehen gaben.

ARGs sind tot – lange leben die ARGs

Nachdem wir auch in Deutschland das eine oder andere Alternate Reality Game durchgeführt hatten, nahm ich auch hin und wieder an einer ARG-Konferenz in den USA teil, einem Branchentreffen das Teilnehmer und Fans von ARGs mit den Organisatoren gleichermaßen verknüpft und zum gemeinsamen Austausch mit Workshops, Vorträgen und Keynotes einlädt.

Eines Tages wurde bei einem dieser ARG-Fests in einer Keynote verkündet, ARGs seien tot – lange leben die ARGs. Die Branche in den USA brodelte zu diesem Zeitpunkt und scheinbar ähnliche Branchen versuchten sich zu dem Zeitpunkt immer mehr in die Öffentlichkeit zu drängen und die Abgrenzungen der Begrifflichkeiten der Alternate Reality Games aufzuweichen. Es war die Zeit in der Branchenfremde gerne Alternate Reality Games und Augmented Reality Games in einen großen Topf warfen. In der großen ARG-Community gab es unzählige Diskussionen dazu, welche Begrifflichkeiten man nun in Zukunft für Alternate Reality Games verwenden sollte und welche nicht – eine Zeit, in der auch die Begrifflichkeit des Chaotic Fiction eingeführt wurde.

Die große Diskussion schwappte glücklicherweise nicht in dem selben Maße zu uns nach Deutschland herüber, wie sie in den USA zu Zerwürfnissen sorgte.

Es kommt die Zeit des Transmedia Storytelling

Auf der Suche nach neuen Begrifflichkeiten führte die Diskussion auch zu solchen, die zwar schon länger bekannt waren, die aber bislang noch keine große Berücksichtigung fanden. Hierzu gehörte auch das von Henry Jenkins bereits 2007 eingeführte „Transmedia Storytelling“, das sich in den Diskussionen nun immer stärker herauskristallisierte. Es beschreibt eine Form des Geschichtenerzählens über mehrere Medien wobei integrale Bestandteile der Geschichte so auf die verschiedenen Medien verteilt werden, dass sie sich zu einem einmaligen und besonders unterhaltsamen Gesamterlebnis zusammenfügen. Dabei trägt jedes Medium für sich auf seine ganz besondere Art und Weise zur Entfaltung der zu erzählenden Geschichte bei.

Aus diesem Umfeld heraus entstand das Berufsfeld des „Transmedia Storytellers“ und das des „Transmedia Designers“.

Das Erlebnis steht im Mittelpunkt

Alle Geschichten, sei es nun die eines Alternate Reality Games oder die eines Transmedia Storytelling Projektes, führen dabei immer zu einem besonderen Gesamterlebnis des oder der jeweiligen Teilnehmer. Auch von diesem lassen sich wieder Berufsbezeichnungen ableiten, nämlich die des „Erlebniskreateurs“, bzw. des „Erlebnis-Entwicklers“.

Dieser Erlebnis-Entwickler kümmert sich hauptsächlich darum, dass das Erlebnis der Teilnehmer bestmöglich und in allen Belangen zufriedenstellend ist. Bei einer Geistergeschichte möchte man sich vielleicht besonders Gruseln und so müssen Elemente in die Geschichte eingewoben werden, die den Teilnehmern vielleicht sogar einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Im Falle eines Agenten-Krimis dürfen sich die Teilnehmer statt dessen lieber selbst verfolgt fühlen. All dies gilt natürlich immer nur soweit, wie die Teilnehmer selbst diese Elemente auch zulassen, denn jeder kann auch einfach über diese Elemente hinwegsehen.

Fazit: Spielerischer und erlebnisreicher Geschichtenonkel

Als ich mich Ende 2011 selbstständig in den Bereichen der Beratung, Konzeption und Umsetzung von Projekten aus dem Marketing und Unterhaltungsbreich machte trafen (und treffen auch immer noch) alle vorgenannten Bezeichnungen zu. Vom Geschichtenonkel über den Community – oder Social Media Manager bis hin zum Erlebnis-Entwickler lasse ich mein Wissen und meine Fähigkeiten in eben diese Projekte einfließen. Diese haben häufig spielerische Komponenten, hin und wieder auch einen edukativen Hintergrund aber Geschichten und Erlebnisse stehen dabei eindeutig im Vordergrund.

Mit Dorothea Martin zusammen gründete ich 2011 auch das Netzwerk imaginary friends, auf deren Seiten sie sich ja gerade auch befinden. Mit den imaginary friends bieten wir gemeinsam unsere Ideen und Möglichkeiten für Unternehmen und deren verschiedenste Interessen an: Wir helfen Ihnen Ihre Geschichten zu erzählen – in und mit allen Medien.

Seit dem lautet meine erste Antwort immer „Ich bin ein imaginary friend„. Und erst dann folgt eine kurze Überlegung und Ausführung – je nach Situation – aber auf jeden Fall mit dem Hinweis auf erlebnisreiches Geschichtenerzählen.

Die Geschichte des Osterhasen erzähle ich allerdings nicht mehr hier und heute sondern an einer anderen Stelle! Aber ich wünsche allen Frohe Ostern!

Anmerkungen: Die geschichtlichen Hintergründe zur Herleitung der Berufsbezeichnungen wurden in diesem Beitrag bewusst verkürzt dargestellt, um nicht zu ausufernd zu erzählen 😉

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